Geo-Trips :: Überschreitung des Großen Wilden

Großer Wilder

Eine Wanderung vom Ausgangspunkt Oberstdorf

Montag, 16. Juni 2014

Von Hansjörg Lipp

Wildenfeldhütte mit Großem Wilden im Hintergrund Großer Wilder: Weg zum Nordgipfel Wildenfeldscharte: Abstieg 

Die Tour musste leider recht früh im Jahr (16. Juni) stattfinden, so dass nicht von vornherein klar war, ob wir "nur" den von unten einsehbaren und hinreichend schneefreien Nordgipfel besteigen können würden. Dennoch wollten wir den angekündigten Sonnentag (mehr als 10 Sonnenstunden!) für die Besteigung des schönen Großen Wilden nutzen.

TPT0447 : Blick über das Oytal zum Großen Wilden und zur Höfats von Hansjörg Lipp TPT0446 : Großer Wilder von K-H Lipp
Zu ersten Orientierung sei auf die oberhalb verlinkten Bilder verwiesen (es werden Beschriftungen bzw. die Routen bei Überfahren des Bildes mit der Maus bzw. Antippen des Bildes gezeigt). Der Plan war, zur Zeitersparnis ins Oytal zu radeln (das kann man je nach Vorlieben bis zum Prinzenkreuz oder bis zur Käseralpe tun) und dann auf dem Weg bis zum Himmelecksattel zu wandern um von hier weglos über den Nordgrat auf den pyramidenförmigen Nordgipfel aufzusteigen. Abhängig von Zeit, Wetter und Schneebedeckung gab es dann die Optionen des Abstiegs auf demselben Weg oder aber über die Wildenfeldscharte nach Besteigung von Haupt- und eventuell Südgipfel (letzterer wird auch als "Hinterer Wilder" bezeichnet).

Vor der Beschreibung eine kurze Warnung für die Adilettenfraktion: Dies ist kein vollständiger Tourbericht, der sich zu einer Tourplanung eignen würde; wer diese Tour ohne hinreichende Vorbereitung und Sachkunde angeht, geht ein unverantwortbares Risiko ein. Alpine Erfahrung in weglosen Gelände mit Passagen im II. Grad ist unabdingbar.

Der lange Anmarsch durchs Oytal ist schon für sich reizvoll, führt er doch mit Blick auf Höfats und Schneck mit Himmelhorn vorbei am Stuibenfall zur Käseralpe. Außerdem sind im grasigen Gelände vielerlei Bergpflanzen zu bestaunen. Ein weiteres Highlight ist der Blick, der sich am Himmelecksattel eröffnet: Hohe, auffällig gefaltete Wände aus Hauptdolomit mit entsprechenden Schotterfeldern werden vom gewaltigen Hochvogel überragt:
TPT0247 : Blick vom Stuibenfall ins Oytal von Hansjörg Lipp TPT0246 : Käseralpe: Blick zur Höfats von Hansjörg Lipp TPT0346 : Blick von der Käseralpe nach Norden von Hansjörg Lipp TPT0447 : Kochscher Enzian auf dem Weg zum Himmelecksattel von Stephen Hocker TPT0448 : Blick vom Himmelecksattel nach Osten von Hansjörg Lipp

Ab hier geht es nun weglos über eine grasige Kuppe und dann entlang am Grat bis zum ersten Aufschwung. Dort umgeht man die Felsen rechts in steilem Gras; der Untergrund ist recht bröselig und dürfte bei Nässe schmierig werden:
TPT0448 : Großer Wilder: Nordgrat von Hansjörg Lipp TPT0448 : Aufstieg zum Großen Wilden von Hansjörg Lipp TPT0448 : Schneck von Stephen Hocker

Bald darauf erreicht man die Grenze zum Hauptdolomit: Der Untergrund wird steinig, die Felsen sind recht brüchig; man findet recht häufig Markierungen, die hier allerdings nicht wirklich benötigt werden, zumal sie sich mitunter samt dem darunterliegenden Felsen auf Wanderschaft begeben...

Am nächsten Aufschwung wechselt man im brüchigen Fels nach links um dann wieder (mit schönem Blick in die Gamswanne) in leichterem Gelände ein gutes Stück bis zur Schlüsselstelle der Tour weiterzugehen: Es muss ein kleines Türmchen im Abstieg bewältigt werden; etwas abdrängend, aber nicht sonderlich ausgesetzt empfinden dies manche als schwierig, für mich persönlich war der erste Aufschwung aber unangenehmer:
TPT0447 : Nordgrat des Großen Wilden von Hansjörg Lipp TPT0848 : Blick über den Wilden Grat zum Hochvogel von Hansjörg Lipp TPT0447 : Türmchen am Nordgrat des Großen Wilden von Hansjörg Lipp

Hier folgt nun das schönste Stück der Tour: Auf schönen Platten geht es steil bergauf; man hält sich bis kurz vor dem Nordgipfel rechts einer Rinne, um dann ein kurzes Stück nach links zum Gipfelkreuz zu steigen:
TPT0447 : Großer Wilder: Felsplatten unter dem Nordgipfel von Hansjörg Lipp TPT0447 : Großer Wilder: Aufstieg zum Nordgipfel von Hansjörg Lipp TPT0447 : Großer Wilder: Weg zum Nordgipfel von Hansjörg Lipp TPT0447 : Großer Wilder: Weg zum Nordgipfel von Hansjörg Lipp

Die Aussicht von hier ist großartig, meiner Meinung nach besser als vom Hauptgipfel, da der Blick nach Norden frei ist: Man sieht Schneck, sowie den gesamten Höhenzug zwischen Nebelhorn und Großen Daumen; prominent zu sehen sind in die anderen Richtungen das Höfats-Massiv, der Wilde Grat und der Hochvogel, die Hornbachkette und die Berge des zentralen Allgäuer Hauptkamms. Faszinierend ist über den gesamten Verlauf der Tour der steil aufragende Kleine Wilde. Leider zogen entgegen der Wettervorhersage Wolken auf, wodurch das Panorama etwas litt - immerhin blieb die Wolkenunterkante immer deutlich über 2400m:
TPT0447 : Großer Wilder (Nordgipfel): Gipfel-Panorama von Hansjörg Lipp TPT0446 : Kleiner Wilder vom Nordgipfel des Großen Wilden von Hansjörg Lipp
(Beschriftete Panoramen LinkExternal link LinkExternal link )

Von hier aus stiegen wir auf schöner (noch immer markierter!) Route in Richtung Hauptgipfel ab, vorbei an bizarren Felsen (mit "Fenster"). Ab hier folgte nun ein gutes Stück Gehgelände: Zuerst erkundeten wir den Anfang des Wilden Grats (mit Abstecher ins Planquadrat TPT0547) und stiegen dann zum unbekreuzten Hauptgipfel auf.

Um angesichts der Schneemassen auf der Ostseite Zeit zu sparen, stiegen wir direkt von der Mulde zwischen Haupt- und Südgipfel zur markanten Schulter östlich des Südgipfels ab, um uns einen Überblick über den weiteren Verlauf zu verschaffen.
TPT0447 : Großer Wilder: Südgipfel ("Hinterer Wilder") von Hansjörg Lipp TPT0447 : Großer Wilder: Ostseite von Hansjörg Lipp

Es zeigte sich, dass es trotz des Schnees möglich war, auf Felsbändern direkt unter den Wänden des Südgipfels zur Wildenfeldscharte zu gelangen. Üblicher ist wohl die Route über das unterhalb gelegene Grasband, das an diesem Tag aber nicht sinnvoll begehbar war. Die Orientierung im unmarkierten, weglosen Gelände war nicht immer einfach; es erwies sich als vorteilhaft, sich nach dem Abstieg zur Schulter weiter absteigend den Wänden des Südgipfels zu nähern und dann konstant auf etwa 2155m zu bleiben, um so zum kurzen Aufstieg an der rechten Seite der Wildenfeldscharte zu gelangen:
TPT0446 : Großer Wilder: Auf dem Weg zur Wildenfeldscharte von Hansjörg Lipp
(Der gezeigte, stark korrigierte GPS-Track ist im Übrigen bei diesen Gelände- und Empfangsbedingungen NICHT zur Orientierung vor Ort geeignet!)

Dieser Teil der Route war klettertechnisch einfach, allerdings empfand ich ihn aufgrund des unzuverlässigen Untergrunds und der Ausgesetztheit als schwieriger als den Aufstieg am Nordgrat. Die verschneite Karst-Landschaft auf der Ostseite war allerdings sehr faszinierend und der Blick zur Hornbachkette eindrucksvoll.

Auch der Perspektivwechsel an der Wildenfeldscharte war spannend: Aus den felsigen Hauptdolomit kommend eröffnet sich der grasige Kessel bei der Käseralpe, überragt von der Höfats; zusätzlich konnten wir den Bodensee golden glänzend im Abendlicht zu sehen:
TPT0446 : Wildenfeldscharte von Hansjörg Lipp TPT0446 : Wildenfeldscharte: Abstieg von Hansjörg Lipp TPT0446 : Blick von der Wildenfeldscharte zum Bodensee von Hansjörg Lipp

Der Abstieg von der Wildenfeldscharte zur Wildenfeldhütte erwies sich dann erwartungsgemäß als zeitraubend und mühsam; auf rutschigem feinen Geröll ging es zu den Felsen der rechts gelegenen Rippe, an denen wir uns langsam herabhangelten, bis das Geröll gröber und dichter wurde. Als wir dann bewachsene Bereiche etreicht hatten, ging es endlich schneller voran.

Von der Wildenfeldhütte ging es dann wieder auf dem Wanderweg an der Käseralpe vorbei und durchs Oytal nach Oberstdorf. Ja, es war schön, am Schluss auf den Fahrrädern heimzurollen.

Fazit: Eine lange, spannende, aussichtsreiche Runde, die allerdings viel Kondition und noch mehr Konzentration erfordert.

Die graue Linie auf der Karte ist der GPS-Track dieser Tour. Nach Anklicken der Kreise werden von der betreffenden Stelle aus aufgenommene Bilder und weitere Informationen gezeigt. Die blauen Linien zeigen die Blickrichtung an. Es gibt auch eine Dia-Show dieser Tour.

Alle Bilder © Hansjörg Lipp, Stephen Hocker; Stephen Hocker und lizenziert unter einer Creative-Commons-Lizenz Externer Link.

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